Dass ich das noch erleben durfte: Das ZDF-Magazin Frontal21 beleuchtet in einem knackigen Beitrag die Lage der Christen in der Türkei. Auslöser für den – nicht mehr ganz neuen – Film war die türkische Kritik an der Minarett-Entscheidung in der Schweiz.
Im Alter von 98 Jahren ist im US-Bundesstaat Vermont Freya Gräfin von Moltke gestorben. Mit ihrem Mann Helmuth James Graf von Moltke und anderen baute sie die Widerstandsgruppe „Kreisauer Kreis“ auf, in der über eine deutsche Gesellschaft nach dem Ende der Nazis nachgedacht wurde. Während ihr Mann noch im Januar 1945 hingerichtet wurde, überlebte die promovierte Juristin den Naziterror und engagierte sich nach dem Krieg in der deutsch-polnischen und der gesamt-europäischen Verständigung. Seit 1960 lebte sie in den USA. Freya von Moltke war mir bisher als Briefempfängerin und spätere Witwe bekannt, weniger als Widerstandskämpferin. Möge diese mutige Frau viele andere inspirieren, heute denke ich auch an die mutigen Frauen im Iran.
Helmuth James Graf von Moltke gehört schon länger zu meinen Helden. Seine „Letzten Briefe aus dem Gefängnis Tegel 1945″, die an Freya gerichtet sind, geben spannende Einblicke in das Innenleben eines Mannes, der aus religiösen und aus strategischen Überlegungen ein Attentat auf Hitler ablehnte, und nun tatsächlich nur für seine Überzeugungen und Überlegungen hingerichtet wurde. Gleichzeitig geben sie ein eindringliches Glaubenszeugnis dieses mutigen Mannes, der auch in der Todeszelle nicht seinen Sinn für Humor verloren hat:
„Das Schöne an dem so aufgezogenen Urteil ist folgendes: wir haben keine Gewalt anwenden wollen – ist festgestellt; wir haben keinen einzigen organisatorischen Schritt unternommen, mit keinem einzigen Mann über die Frage gesprochen, ob er einen Posten übernehmen wolle – ist festgestellt … Wir haben nur gedacht, und zwar eigentlich nur Delp, Gerstenmaier und ich … Und vor den Gedanken dieser drei einsamen Männer, den bloßen Gedanken, hat der N. S. eine solche Angst, dass er alles, was damit infiziert ist, ausrotten will. Wenn das nicht ein Kompliment ist.“ (Helmut James Graf von Moltke: Letzte Briefe, Berlin 1981, S. 62f.)
„Der entscheidende Satz [Freislers] in jener Verhandlung war: ‚Herr Graf, eines haben das Christentum und wir Nationalsozialisten gemeinsam, und nur das eine: Wir verlangen den ganzen Menschen.’ Ob er sich klar war, was er damit gesagt hat? Denk mal, wie wunderbar Gott dies sein unwürdiges Gefäß bereitet hat: in dem Augenblick, in dem die Gefahr bestand, dass ich in aktive Putschvorbereitung hineingezogen wurde … wurde ich rausgenommen, damit ich frei von jedem Zusammenhang mit der Gewaltanwendung bin und bleibe. … Dann hat er mich so gedemütigt, wie ich noch nie gedemütigt worden bin, so dass ich allen Stolz verlieren muss, so dass ich meine Sündhaftigkeit endlich nach 38 Jahren verstehe, so dass ich um seine Vergebung bitten, mich seiner Gnade anvertrauen lerne. … und dann wird dein Mann ausersehen, als Protestant vor allem wegen seiner Freundschaft mit Katholiken attackiert und verurteilt zu werden, und dadurch steht er vor Freisler nicht als Protestant, nicht als Großgrundbesitzer, nicht als Adeliger, nicht als Preuße, nicht als Deutscher … sondern als Christ und als gar nichts anderes.“ (Ebd., S. 77ff.)
… mit diesem Weihnachtsgedicht von John Piper wünsche ich allen und jedem ein frohes Weihnachtsfest! Merry Christmas, to all of us!
In this smelly place he lay,
Smelly like the swine,
Smelly like the rotting hay,
Like your sin, and mine.
Do you see how low he lay?
Do you see how low?
There is lower yet to go.
Lower yet to go.
… dürfte inzwischen die chinesische Kirche sein, mit zwischen 80 und 130 Millionen Christen. Kurz vor Weihnachten haben auch manche Mainstreammedien davon Notiz genommen. So zitiert Spiegel Online chinesische Christen: „Unsere Kirche wächst schneller als die Wirtschaft!“ Zwar bleibt das etwas oberflächlich – so wird zwar erwähnt, dass für Christen vieles illegal ist, welche Konsequenzen das tatsächlich hat (dass derzeit z.B. etwa 2000 Gemeindeleiter in Gefängnissen und Lagern sitzen), bleibt aber unklar. Auch der spöttisch-distanzierte Spiegel-Zungenschlag darf natürlich nicht fehlen (wer in die Abgründe des Leser-Forums steigt, ist mal wieder selber schuld). Aber immerhin bekommt der Leser manche Einblicke in die vielfältige Gestalt der wachsenden christlichen Bewegung in China.
Zeit Online („Auf der Suche nach Spiritualität“) ist ein bisschen erfreulicher, hier beschreibt Peer Junker ausführlicher die Situation der Hauskirchen, und neben einem chinesischen Soziologen kommt auch Markus Rode vom Hilfswerk Open Doors zu Wort, was dem Artikel gut tut.
In dem Zusammenhang ist es spannend zu beobachten, dass die englischsprachige, staatliche China Daily ausführlich einen chinesischen Religionsexperten zu Wort kommen lässt, der sich darüber Gedanken macht, wie die Religionsfreiheit in China ausgebaut und wie religiöse Gruppen legalisiert werden können. In dem Artikel wird die wichtige – und legitime – Rolle der Hauskirchen anerkannt und die Zahl ihrer Anhänger mit 50 Millionen angegeben – eine Zahl, die wahrscheinlich zu niedrig angesetzt ist, aber deutlich über den Zahlen liegt, die die chinesische Führung normalerweise zuzugeben bereit ist. Der interviewte Experte Liu Peng fordert, eine gesetzliche Basis zu schaffen, auf der religiöse Gruppen Rechtssicherheit erhalten können:
… an over-arching legal system is needed, Liu says, for all religious bodies to compete freely – in a way similar to the market economy – with the government intervening only when a law-breaking attempt occurs.
Jussuf al-Kardawi mag keine Weihnachtsbäume. Schon gar nicht, wenn sie in den Einkaufszentren in Doha, Katar stehen, wo sie ja nun schon aus Botanikersicht nichts zu suchen haben. Überhaupt sind wir auf der arabischen Halbinsel viel zu nachgiebig – während die islamischen Glaubensbrüder in Europa an ihrer freien Religionsausübung gehindert werden (siehe z.B. hier schockierende Berichte von Diskriminierung in Frankreich), könne sich „das so genannte Christmas“ in Arabien ungehindert ausbreiten.
Da scheint sich etwas zu verdichten: VerschiedeneMedienberichten unter Berufung auf „Bild“, dass der Bundesregierung ein Video der Entführer von Familie Hentschel vorliege. Darauf seien jedenfalls die drei Kinder (1, 3 und 5 Jahre) lebendig zu sehen, das Video sei einige Wochen alt. „Die Kinder machen einen erschöpften Eindruck“, zitiert „Bild“ einen hohen Regierungsbeamten. Unklar bleibt das Schicksal der Eltern sowie des ebenfalls vermissten britischen Ingenieurs.
Doch was als idealistische Hilfsmission begann, endete in einer Tragödie. Die Entführung und die Morde gingen offenbar auf einen religiösen Disput zurück, der vor einigen Monaten in Jemens Hauptstadt Saada geschah. Der Vater der Familie hatte mit einem Muslimen über das Christentum gesprochen und ihm empfohlen, die Bibel zu lesen. Der Überzeugungsversuch hatte anscheinend lokale Muslime gegen ihn aufgebracht.
Wer nur ein bisschen über traditionelle islamische Kulturen weiß, weiß auch, dass es praktisch unmöglich ist, das Gesprächsthema „Religion“ zu vermeiden – und natürlich wird es dann um Christentum und Islam, Bibel und Koran gehen. Aber das weiß der Spiegel natürlich nicht … und noch weniger wissen die Spiegel-Leser, die sich im Forum zu diesem Artikel austoben. Das ist wirklich unappetitlich.
Früher sei Dubai ein Glas voller bunter Bonbons gewesen, an denen sich jeder bedient habe … Auch mit der Krise sei das Glas nicht zerbrochen, die Frage sei jetzt nur, ob es halb leer oder halb voll sei.
(Politologe Abdel Khaelq Abdallah, zitiert in der Oberhessischen Presse)
Heinz Ehrhardt hätte wohl gesagt: Das schlägt dem Fass die Krone ins Gesicht!